• Kunstinvestment - Die elegante Form der Vermögensbildung In Krisenzeiten flüchtet das Kapital in Sachwerte. Dieses Verhalten führt derzeit zu einer relativen Überhitzung des Immobilienmarktes. Das Investment in Kunst stellt demgegenüber eine elegante und nachhaltige Alternative dar, die allerdings gutes Timing und Fingerspitzengefühl erfordert.

    Ein Beispiel:

    Nicht jeder Anleger und Investor hat Zeit, die Kenntnis oder das Geld, um selbst eine Kunstsammlung aufzubauen. In Zeiten des Börsenbooms durch private Anleger legte daher die DG-Bank 1997 in Deutschland den Kunstfonds „Global Art Fund“ auf. Unter der Leitung des renommierten Kunstkenners und Galeristen Torsten Bröhan erwarb der Fonds Werke namhafter Künstler der klassischen Moderne und pflegte darüberhinaus einen Schwerpunkt zum Thema Design. Trotz sehr positiver Entwicklung, sachkundiger Leitung und professionellem Vertrieb des Luxemburger Fonds kam im Jahr 2000 das Aus. Was waren die Gründe? Der Fonds konkurrierte zu seiner Zeit mit den Anlagemöglichkeiten des „Neuen Marktes“. „Die Leute waren verrückt nach Technologiewerten. Ein traditionelles Investment in Kunst schien dagegen schon fast absurd“ (FAZ.NET 4/7/2001, Interview mit Torsten Bröhan; VDI-Nachrichten 30/4/1999, Aus Kunst Kommerz machen).

    Die Zeiten ändern sich: Knapp zehn Jahre später gerät das Weltfinanz- und Bankensystem durch das Platzen der US-amerikanischen Immobilienkreditblase derart ins Trudeln, daß private Anleger eilends Zuflucht in Sachwerten suchen. Zwar hat sich die Lage der Banken inzwischen stabilisiert, jedoch stehen in Europa einige Länder vor der Zahlungsunfähigkeit und gefährden weiterhin die Stabilität der Eurowährung insgesamt. In dieser Krise bieten Immobilien, wie auch die Kunst wertstabile Anlageformen. Die Zeit für Kunstfonds ist jetzt günstig, sagt Anders Petterson, Gründer der Marktforschungsagentur „ArtTactic“. Allein im Jahr 2011 seien 25 neue Kunstfonds aufgelegt worden (börse-online.de 30/1/2012, Kunstfonds lockt mit zwölf Prozent).

    Worauf ist bei einem Kunstinvestment zu achten?

    Kunst hat in der Regel einen eher langfristigen Wertzuwachs. Investmentangebote mit kurzen Laufzeiten von 2-4 Jahren können oft das Wertpotential erworbener Kunstobjekte nur mit Mühe realisieren. Kunstfonds haben einen hohen Anteil an Verwaltungs- und Versicherungskosten, die erst einmal durch Wertzuwachs eingespielt werden müssen. Ein erfolgreiches Kunstinvestment setzt ferner voraus, daß seitens des Managements ein sachkundiges und über den finanziellen Aspekt hinausgehendes Kunstinteresse an den erworbenen Werken besteht. Dies qualifiziert in besonderer und einziger Weise eine erfolgreiche Leitung eines Kunstfonds. Wo das Interesse fehlt oder durch kurzfristige Anlageziele ersetzt wird, ist mit einem Wertzuwachs des Investments nicht zu rechnen. So habe wohl auch tatsächlich das Ausscheiden des kunstinteressierten Fondsmanagers Thomas Amend der DG-Bank seinerzeit zu dem Einbruch des Interesses der Bank am „Global Art Fund“ und zu seiner Schließung geführt (Bröhan, a.a.O.).

    Nach Auffassung des Düsseldorfer Kunstrechtlers Dr. Riemer gelten Kunstfonds generell als schwierig: Laut Manager-Magazin (1/2012) sind von 36 Kunst Fonds, die der Kunsthistoriker Noah Horowitz für seine 2011 von der Princeton University veröffentlichte Studie zum Kunstmarkt ausfindig machte, mindestens die Hälfte gescheitert, abgewickelt oder wenigstens vorübergehend geschlossen worden. In Deutschland hat vor allem der 2007 mit noblem Anspruch für Kleininvestoren aufgelegte „Art Estate Fund“ der EECH Group dem Vertrauen in diese Anlageform geschadet. Bei dem Fonds wurden schon bald gewinnabschöpfende Zwischenverkäufe in der Unternehmensgruppe aufgedeckt (Stiftung Warentest v. 19.6.2007). Seit 2008 ist die Unternehmensgruppe insolvent und die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen gewerbsmäßigen Betrugs gegen mehrere Personen, darunter den Unternehmenschef Tarik Yoleri.

    Die Spreu vom Weizen trennen.

    Doch es gibt auch seriöse Vorbilder. Sehr professionell arbeitet beispielsweise der Londoner „Fine Art Fund“ unter Leitung von Philip Hoffmann, ex Christie’s und KPMG Verantwortlicher, der mit einem 40 köpfigen Expertenstab den Fonds managed. Eine solche Professionalität erfordert allerdings auch auf Seiten des Investors eine Mindestbeteiligung von 250.000 Britischen Pfund. Diesen Fonds zum Vorbild nimmt sich der „Art Capital Fund“ der Düsseldorfer Berenberg Bank. Der Fond stützt sich auf 40 Jahre Expertise des Kunstberaters Helge Achenbach (www.berenberg-art.com) und einen ausgeklügelten Mix an Kunstwerken. Ein internationales Schwergewicht unter den Kunstfonds ist der „Artemundi Global Fund“ unter der Leitung des Spaniers Javier Lumbreras, Kunstsammler in der fünften Generation mit einem Investitionsvolumen von bis zu 225 Mio. US-Dollar. Seit 2012 angekündigt ist zudem der Luxemburger „Art Collection Fund“ des Gründers Stanislas Gokelaere mit einer Mindestbeteiligung von stattlichen 500.000 Euro (vgl. börse-online.de 30/1/2012, Kunstfonds lockt mit zwölf Prozent; www.artcollectionfund.com). Deutlich renditeorientiert ist der „Fine Art Investment Fund“ (www.fineartinvestfund.com) der schweitzer PMG Fonds Management AG, der in den aktuellen Trend der Fotokunst investiert. Er verzeichnet dank seiner entwicklungsbetonten und offenen Risikostruktur derzeit eine Performance jenseits aller klassischen Anlageformen.

    Die Grundbedingungen.

    Der Kunstrechtler Dr. Riemer gibt zu bedenken: Wie bei allen Beteiligungsinvestments, lassen sich die vollmundigen Versprechungen eines neu aufgelegten Kunstfonds nicht wirklich überprüfen. Wichtige Kriterien können daher die regelmäßige Prüfung durch Aufsichtsbehörden, wie auch die freie Handelbarkeit des gezeichneten Anteils sein. Ein Sitz der Fondsgesellschaft im Ausland macht es dem deutschen Anleger fast unmöglich, seine Interessen im Zweifelsfall auch effektiv durchzusetzen. Auf Seiten des Managements besteht die Gefahr einer latenten Inkompetenz (mangelnde Kenntnis des Kunstmarktes) und die Möglichkeit der fehlenden Redlichkeit (Wirtschaften in die eigene Tasche).

    Inhaltlich ist zu berücksichtigen, daß das Angebot an zeitgenössischer Kunst zwar umfangreich ist und schnell die große Nachfrage der Anleger bedienen kann. Allerdings bietet nur die Kunst abgeschlossener Epochen und bewerteter Künstler die gewünschte Wertstabilität. Ein namhaftes Investment in zeitgenössische Kunst sollte daher stets auch mit einem paritätischen Anteil Erwerbungen etablierter Künstler ausbalanciert werden.

    Im Ergebnis ist das Angebot an Kunstbeteiligungen in Deutschland nach wie vor dünn – der Ruf oft umstritten. Die Entscheidung für ein Direktinvestment durch den eigenhändigen Erwerb von Kunst liegt insofern nahe. Wertvolle Hilfe geben hier Galeristen, die oft auch eine von ihrem eigenen Bestand unabhängige Beratungsleistung anbieten und helfen eine ausbalancierte Linie für den Aufbau einer eigenen Sammlung zu verfolgen.

    Ein angehender Kunstinvestor sollte sich damit immer auch als Kunstsammler begreifen und langfristig denken. Das Investment sollte inhaltlich hinreichend ausbalanciert angelegt werden. Die Inanspruchnahme sachkundige Hilfe – auch über einen längeren Zeitraum hinweg – ist ein absolutes Muß. Bei Kunstfonds und Beteiligungsgesellschaften (insbesondere im Ausland) sowie bei der Inanspruchnahme von Beratungsleistungen für den Aufbau einer Sammlung sollte auch eine rechtliche Prüfung der Verträge und Leistungen erfolgen.

    Dr. Riemer – Kunst und Recht
    Dr. Carsten Ludwig Riemer
    Königsallee 14

    40212 Düsseldorf
    Deutschland

    E-Mail: riemer@kunstrecht-riemer.de
    Homepage: http://www.kunstrecht-riemer.de
    Telefon: 0211-7495866-11

    Pressekontakt
    Dr. Riemer – Kunst und Recht
    Dr. Carsten Ludwig Riemer
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    40212 Düsseldorf
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    E-Mail: riemer@kunstrecht-riemer.de
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    wurde veröffentlicht auf dieser Content Seite am Februar 25, 2013 in der Rubrik Finanzen
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